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Gefäßfüller brennbar oder nicht brennbar? Der Vergleich

Gefäßfüller brennbar oder nicht brennbar? Der Vergleich

8 Min. Lesezeit

Gefäßfüller brennbar oder nicht brennbar? Was hinter der Produktvariante steckt

Wer Gefäßfüller ins Sortiment nimmt, steht vor einer Entscheidung, die auf dem Etikett harmlos aussieht und im Lager weitreichende Folgen hat: brennbar oder nicht brennbar. Beide Varianten stehen nebeneinander im Regal, beide kosten ähnlich, beide erfüllen denselben Zweck – das Druckpolster im Membran-Ausdehnungsgefäß prüfen und ergänzen. Der Unterschied liegt nicht in der Funktion, sondern in der Einstufung. Und die fällt anders aus, als die meisten erwarten.

Dieser Beitrag ordnet die beiden Varianten anhand der Sicherheitsdatenblätter und technischen Datenblätter der Hersteller ein: Was unterscheidet sie tatsächlich, welche Konsequenzen hat das für Lagerung und Versand, und was gehört an Zubehör dazu, damit die Dose beim Anwender überhaupt einsetzbar ist. Für Wiederverkäufer, Fachhandel und Betreiber technischer Gebäudeausrüstung ist das eine Sortimentsentscheidung – keine reine Produktfrage.

Wofür der Gefäßfüller im MAG gebraucht wird

Das Membran-Ausdehnungsgefäß (MAG) gleicht die Volumenänderung des Heizungswassers aus. Auf der Gasseite der Membran sitzt ein Druckpolster, das bei der Inbetriebnahme auf den Vordruck der Anlage eingestellt wird. Dieses Polster verliert über Jahre schleichend Druck – und ein MAG mit zu geringem Vordruck arbeitet nicht mehr als Puffer, sondern lässt den Anlagendruck bei jedem Aufheizvorgang durchschlagen.

Genau hier setzt der Gefäßfüller an. Das technische Datenblatt der Fermit-Ausführung (Stand 24.11.2017) beschreibt den Anwendungsfall präzise: Spezialprodukt zur Überprüfung und Ergänzung des Druckpolsters in Membran-Ausdehnungsgefäßen von Heizungs- und Ölversorgungsanlagen. Der angegebene Druckbereich liegt bei 0–4 bar. Geprüft und nachgefüllt wird am drucklosen oder ausgebauten Gefäß.

Soll ich ein Ausdehnungsgefäß mit Luft oder Stickstoff füllen?

Mit Pressluft aus dem Kompressor sollte das Druckpolster nicht ergänzt werden. Der Grund ist kein Komfortargument, sondern ein technisches: Pressluft bringt Sauerstoff und Feuchtigkeit in die Gasseite des Gefäßes ein – beides fördert Korrosion, und beides lässt sich nachträglich nicht mehr entfernen.

Genau darauf zielt der Gefäßfüller als Produktgattung. Der Hersteller der SANIT-Ausführung formuliert es für den Fauch GefäßFüller so: Die Sicherheitsdruckflasche ist mit einem nicht brennbaren Gas gefüllt und frei von Alkohol und anderen brennbaren Substanzen; gegenüber Pressluft gelange laut Hersteller weder Sauerstoff noch Feuchtigkeit in das Ausdehnungsgefäß, wodurch Korrosion ausgeschlossen sei. Auch das technische Datenblatt der Fermit-Ausführung führt "verhindert Korrosion im Druckgefäß" als erste Eigenschaft.

Welches Gas die Dose konkret enthält, weisen die vorliegenden Herstellerunterlagen nicht aus – die Datenblätter sprechen von einem nicht brennbaren Gas, ohne es zu benennen. Für die Beratung reicht die belegbare Aussage: Es geht um ein trockenes, sauerstofffreies Druckpolster, und der Kompressor liefert genau das nicht. Dieses Argument trägt im Verkaufsgespräch weiter als jeder Hinweis auf die Handlichkeit der Dose.

Der Unterschied liegt nicht dort, wo ihn die meisten vermuten

Die naheliegende Annahme lautet: Die nicht brennbare Variante ist die unproblematische, die brennbare die heikle. Ein Blick in die Sicherheitsdatenblätter beider Fermit-Ausführungen zeigt ein differenzierteres Bild.

MerkmalF18010 (brennbar)F18012 (nicht brennbar)
SignalwortGefahrAchtung
PiktogrammGHS02 (Flamme)GHS08 (Gesundheitsgefahr)
H-SätzeH222-H229H229, H373
UN-NummerUN1950UN1950
Klasse2 5F Gase2 5A Gase
SDB-Stand06.11.2015 (v1)24.09.2019 (v2)

Drei Punkte daraus verdienen Aufmerksamkeit.

Erstens: Beide Varianten sind Gefahrgut. Die nicht brennbare Ausführung trägt dieselbe UN-Nummer UN1950 wie die brennbare. Der Unterschied steckt in der Klassifizierung – 2 5F (entzündbare Gase) gegenüber 2 5A (nicht entzündbare Gase). Wer die nicht brennbare Variante mit der Erwartung listet, damit aus dem Gefahrgut herauszukommen, hat sich verrechnet. Der Transportstatus bleibt bestehen, nur die Einstufung ändert sich. Für Versandprozesse, Kennzeichnung und Lagerorganisation ist das die relevantere Information als das Wort "nicht brennbar" auf der Dose.

Zweitens: "Nicht brennbar" heißt nicht "unbedenklich". Die brennbare Variante ist nach dem vorliegenden Sicherheitsdatenblatt ausschließlich wegen ihrer Entzündbarkeit eingestuft (H222 – extrem entzündbares Aerosol, H229 – Behälter steht unter Druck). Die nicht brennbare Variante trägt dagegen mit H373 eine gesundheitsbezogene Einstufung: Kann die Nieren schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition – Expositionsweg Verschlucken. Die zugehörigen Sicherheitshinweise verlangen unter anderem, Nebel, Dampf und Aerosol nicht einzuatmen (P260). Es handelt sich also nicht um eine schlechtere und eine bessere Variante, sondern um zwei unterschiedliche Risikoprofile.

Drittens: Ein Grenzwert gilt für beide. Der Hinweis P410+P412 steht in beiden Sicherheitsdatenblättern: vor Sonnenbestrahlung schützen, keinen Temperaturen über 50 °C aussetzen. Das betrifft den Transporter im Sommer ebenso wie das Regal an der Südwand einer Lagerhalle.

Was daraus für die Sortimentsentscheidung folgt

Aus dieser Faktenlage ergibt sich keine pauschale Empfehlung, sondern eine Zuordnung nach Abnehmer.

Die nicht brennbare Ausführung ist überall dort das naheliegende Regalprodukt, wo in der Nähe von Zündquellen gearbeitet wird – Heizraum, Brennerumfeld, Anlagen mit offener Flamme im selben Raum. Die entfallende Entzündbarkeit ist hier das Argument, das den Anwender überzeugt. Neben der Fermit-Ausführung F18012 steht mit dem SANIT Fauch GefäßFüller (Art. 8200) und dem SANIT MAG GefäßFüller nicht brennbar (Art. 3191) jeweils eine 400-ml-Dose zur Verfügung, beide in der Verpackungseinheit 12. Der SANIT MAG GefäßFüller wird vom Hersteller zusätzlich über sein sehr geringes GWP positioniert – ein Argument, das bei Abnehmern mit dokumentierten Nachhaltigkeitszielen zunehmend gezogen wird und das im Beratungsgespräch benannt werden sollte, statt es im Datenblatt zu verstecken.

Die brennbare Ausführung (Fermit F18010, 400 ml, Verpackungseinheit 12) bleibt für Anwender relevant, die eine eingeführte Arbeitsweise beibehalten und deren Einsatzumfeld die Entzündbarkeit beherrschbar macht. Sie ohne Not aus dem Sortiment zu nehmen, erzeugt Rückfragen – beide nebeneinander zu führen, ist bei einer Verpackungseinheit von 12 Dosen je Variante eine überschaubare Sortimentsbreite.

Für Abnehmer, die regelmäßig und in Serie warten, ist die Einzeldose ohnehin nicht das Ende der Geschichte: Mit dem SANIT Profi-FüllgasSet (Art. 8300MAG) und dem Profi-Füllgasset Fauch (Art. 8300) stehen Sets zur Verfügung, die auf wiederkehrenden professionellen Einsatz ausgelegt sind. Wer im Kundenkreis Facility Management oder Wartungsdienstleister hat, sollte die Set-Variante aktiv anbieten statt sie als Randposition zu führen.

Die Dose allein ist kein Arbeitsmittel

Der häufigste Reklamationsgrund bei Gefäßfüllern ist kein Produktmangel, sondern eine unvollständige Bestellung. Das technische Datenblatt ist an diesem Punkt eindeutig: Die Anwendung erfolgt in Verbindung mit einem entsprechenden Adapter (Art. 18011). Geprüft wird mittels Druckprüfgerät oder über diesen Adapter; erst dann wird die Dose ins Gewinde eingedreht und über den Kugelhahn der gewünschte Druck hergestellt.

Der Fermit Adapter-Manometer-Absperrhahn (Art. 18011) ist damit kein Zubehör im Sinne einer Zusatzoption, sondern Voraussetzung für die Anwendung. Er wird als Einzelstück geführt, während die Dosen in Verpackungseinheiten zu 12 laufen – ein Verhältnis, das sich in der Regalplanung abbilden lässt: eine überschaubare Zahl Adapter, dahinter der Dosennachschub. Fehlt der Adapter im Erstauftrag eines Neukunden, kommt die Dose zurück oder der Anwender improvisiert. Beides kostet mehr als die Nachfrage im Bestellprozess.

Für die Produktdarstellung im eigenen Katalog oder Shop heißt das konkret: Adapter und Dose verknüpft ausweisen, nicht in getrennten Kategorien führen. Das ist eine Datenpflegeaufgabe, keine Sortimentsentscheidung – und sie wirkt unmittelbar auf die Retourenquote.

Lagerung: die Angaben, die im Datenblatt stehen

Für die Lagerorganisation nennt das technische Datenblatt der Fermit-Ausführung konkrete Werte, die sich ohne Interpretationsspielraum umsetzen lassen:

  • Haltbarkeit: mindestens 24 Monate im original verschlossenen Gebinde
  • Lagertemperatur: zwischen +5 °C und +30 °C
  • Lagerbedingung: trocken, bei einer relativen Luftfeuchte von maximal 60 %
  • Obergrenze aus dem Sicherheitsdatenblatt: keine Temperaturen über 50 °C, vor Sonnenbestrahlung schützen

Die Spanne von +5 °C bis +30 °C ist der Punkt, an dem in der Praxis am häufigsten abgewichen wird. Ein unbeheiztes Außenlager unterschreitet die Untergrenze in österreichischen Wintern regelmäßig, ein Dachlager im Sommer die Obergrenze. Wer Druckgaspackungen führt, sollte den Stellplatz einmal bewusst festlegen statt ihn sich ergeben zu lassen.

Ein weiterer Hinweis aus beiden Sicherheitsdatenblättern gehört in die interne Unterweisung: nicht durchstechen oder verbrennen, auch nicht nach Gebrauch (P251). Das betrifft die Entsorgung leerer Dosen – ein Thema, das bei Abnehmern mit eigenem Wertstoffprozess erfahrungsgemäß nachgefragt wird.

Fazit

Die Frage "brennbar oder nicht brennbar" ist keine Frage nach dem besseren Produkt, sondern nach dem passenden Risikoprofil. Beide Varianten sind Gefahrgut unter UN1950, sie unterscheiden sich in der Klassifizierung (2 5F gegenüber 2 5A) und in der Art der Einstufung: Entzündbarkeit auf der einen, eine gesundheitsbezogene Einstufung nach H373 auf der anderen Seite. Die nicht brennbare Ausführung ist im Umfeld von Zündquellen das schlüssigere Angebot, nimmt dem Lager aber die Gefahrgutpflichten nicht ab.

Drei Punkte, die aus dem Sortiment eine funktionierende Position machen:

  1. Beide Varianten führen, solange der Kundenkreis gemischt ist – die Verpackungseinheit von 12 hält die Sortimentsbreite überschaubar.
  2. Adapter Art. 18011 mitdenken, im Katalog verknüpft ausweisen und im Erstauftrag aktiv nachfragen.
  3. Set-Varianten (Art. 8300, 8300MAG) gezielt Abnehmern mit wiederkehrender Wartung anbieten.

Die Fakten dieses Beitrags stammen aus den technischen Datenblättern und Sicherheitsdatenblättern der Hersteller. Für die verbindliche Einstufung eines konkreten Artikels gilt immer das aktuelle Sicherheitsdatenblatt in der jeweils gültigen Fassung – die hier genannten Stände sind ausgewiesen.

Sortiment anfragen: Die Gefäßfüller von Fermit und SANIT, der zugehörige Adapter sowie die Profi-Füllgassets sind Teil des Mekisan-Sortiments für Heizungswartung. Konditionen für Wiederverkäufer und Fachhandel auf Anfrage über den Großhandelsbereich.

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Quellen & Referenzen

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