KTW-Zulassung und DVGW W270: was die Prüfzeichen bedeuten
Kunststoff-Trinkwasser-Bewertungsgrundlage / DVGW Arbeitsblatt W270
KTW prüft nicht-metallische Werkstoffe auf hygienische Eignung für Trinkwasser. W270 ergänzt die Bewertung um das Vermehrungsverhalten von Mikroorganismen. Zwei getrennte Prüfungen, die in der Praxis immer gemeinsam auftreten.
Was die KTW-Bewertungsgrundlage prüft
KTW steht für "Kunststoffe und andere organische Materialien im Kontakt mit Trinkwasser". Geprüft wird nicht das fertige Bauteil, sondern der Werkstoff: Gibt das Material Stoffe an das Wasser ab, die Geruch, Geschmack, Färbung oder die chemische Zusammensetzung des Trinkwassers verändern? Betroffen sind alle nicht-metallischen Werkstoffe, die im Betrieb Wasser berühren – bei Dichtmitteln also Fiberdichtungen, Elastomere, Dichtpasten und Gewindedichtbänder.
Was das DVGW-Arbeitsblatt W270 zusätzlich abdeckt
W270 beantwortet eine andere Frage als KTW: Nicht, was der Werkstoff abgibt, sondern ob auf seiner Oberfläche Mikroorganismen wachsen. Manche organischen Werkstoffe wirken als Nährboden – dann bildet sich ein Biofilm, unabhängig davon, wie sauber das Wasser ankommt. W270 misst dieses Vermehrungsverhalten. Ein Werkstoff kann die KTW-Prüfung bestehen und bei W270 durchfallen. Deshalb reicht keine der beiden Prüfungen allein.
Warum "trinkwassergeeignet" als Aussage nichts wert ist
"Trinkwassergeeignet" ist kein geschützter Begriff und keine Prüfung. Er steht auf Verpackungen von Produkten mit vollständiger Bewertung genauso wie auf Produkten ohne. Belastbar ist nur die Angabe der konkreten Prüfgrundlage im Datenblatt des Herstellers – idealerweise mit Prüfstelle und Prüfnummer. Wer als Händler eine Dichtung ins Regal legt, kauft mit dem Produkt auch dessen Aussage ein: Steht auf dem Etikett Trinkwasser, muss das Datenblatt das tragen.
Was das für den Wiederverkäufer praktisch bedeutet
Drei Punkte aus der Einkaufspraxis. Erstens: Datenblatt vor Katalog – Katalogtexte sind älter als Datenblätter und geben Zulassungen häufig verkürzt wieder. Zweitens: Zulassungen gelten pro Werkstoff und pro Artikel, nicht pro Produktfamilie. Innerhalb einer Dichtungsserie kann die Fiberausführung bewertet und die Gummiausführung ausgeschlossen sein. Drittens: Wer Dichtungen für Trinkwasser listet, sollte die Datenblätter archivieren – im Reklamationsfall ist das der Nachweis, auf welcher Grundlage verkauft wurde.
Was im Mekisan-Dichtungssortiment bewertet ist — und was nicht
Grundlage sind die Datenblätter des Herstellers. Die Zuordnung erfolgt über den Werkstoff.
Fiberdichtungen (Fiber-Ringe)
Laut Hersteller-Datenblatt mit KTW und DVGW W270 bewertet, zusätzlich DVGW VP 401 und BAM-Freigabe. Einsatz im Trinkwasser bis 70 °C.
OHA-Press (Aramidfaser)
Das Datenblatt weist den Werkstoff als asbestfrei und physiologisch unbedenklich für Trinkwasser und Lebensmittel aus. Eine explizite KTW- oder W270-Bewertung ist im Datenblatt nicht ausgewiesen – die Aussage ist damit schwächer als bei den Fiberdichtungen.
Gummidichtungen EPDM
Nach DIN EN 681-1, Temperaturbereich −30 °C bis +130 °C. Der Hersteller schließt Trinkwasser ausdrücklich aus. Diese Dichtungen dürfen nicht als trinkwassergeeignet beworben oder ausgezeichnet werden.
OHA-Spezial (Graphit-Faser)
Hochtemperatur-Werkstoff bis 360 °C. Keine Trinkwasser-Bewertung im Datenblatt – gehört in die Industrie-Anwendung, nicht in die Trinkwasserinstallation.
Wichtig: Innerhalb ein und derselben Dichtungsserie kann eine Werkstoffvariante für Trinkwasser bewertet und eine andere ausdrücklich ausgeschlossen sein. Die Zuordnung erfolgt über den Werkstoff, nicht über die Serie oder die Nennweite.
Produkte mit KTW-BWGL / W270-Zulassung
Alle Varianten führen offizielle Hersteller-Datenblätter mit Zulassungsnummern.
Für die Fermit-Gewindedichtmittel in diesem Katalog ist KTW/W270 in unseren Produktdaten nicht als eigene Zulassung hinterlegt – dort sind DVGW und BAM ausgewiesen. Die belegte KTW/W270-Bewertung liegt bei den Fiberdichtungen aus dem Dichtungssortiment. Wenn Sie die Datenblätter zu einer konkreten Position brauchen, fragen Sie sie bitte über die Sortimentsanfrage an.
Häufige Fragen zu KTW-BWGL / W270
Was bedeutet die KTW-Zulassung?
KTW ist die Bewertungsgrundlage für Kunststoffe und andere organische Materialien im Kontakt mit Trinkwasser. Sie prüft, ob ein Werkstoff Stoffe an das Wasser abgibt, die Geruch, Geschmack, Färbung oder Zusammensetzung des Trinkwassers verändern. Bewertet wird der Werkstoff, nicht das fertige Produkt.
Was ist der Unterschied zwischen KTW und DVGW W270?
KTW prüft, was ein Werkstoff an das Wasser abgibt. W270 prüft, ob auf seiner Oberfläche Mikroorganismen wachsen und sich ein Biofilm bildet. Das sind zwei verschiedene Fragestellungen. Ein Werkstoff kann KTW bestehen und bei W270 durchfallen – deshalb werden beide Prüfungen in der Praxis gemeinsam verlangt.
Reicht die Angabe "trinkwassergeeignet" auf der Verpackung?
Nein. "Trinkwassergeeignet" ist kein geschützter Begriff und ersetzt keine Prüfung. Belastbar ist nur die Nennung der konkreten Prüfgrundlage im Hersteller-Datenblatt. Für Händler heißt das: Datenblatt anfordern und archivieren, bevor ein Artikel für Trinkwasser ausgezeichnet wird.
Sind Gummidichtungen aus EPDM für Trinkwasser zugelassen?
Die EPDM-Gummidichtungen in unserem Sortiment sind es nicht. Das Hersteller-Datenblatt weist sie nach DIN EN 681-1 für einen Bereich von −30 °C bis +130 °C aus und schließt Trinkwasser ausdrücklich aus. Sie dürfen nicht als trinkwassergeeignet beworben werden.
Gilt eine KTW- oder W270-Bewertung auch in Österreich?
KTW und W270 sind deutsche Bewertungsgrundlagen. Für den österreichischen Markt ist die ÖVGW die zuständige Stelle. In der Regel werden DVGW-geprüfte Produkte auch in Österreich anerkannt, wenn eine Übereinstimmungserklärung vorliegt. Ob das für eine konkrete Position gilt, klären wir vor der Listung.